Fridays-for-Future

Sehr geehrte Eltern, liebe Schüler_innen des Domgymnasiums,

inzwischen finden auch in Naumburg und in Halle/S. Schülerstreiks der „Fridays-for-Future“-Bewegung statt.

Das Demonstrationsrecht ist ein in unserem Grundgesetz verankertes demokratisches Recht aller Menschen in Deutschland. Die Inanspruchnahme und Ausübung von Grundrechten ist unbedingt zu begrüßen. Andererseits unterliegen Kinder und Jugendliche in Deutschland der Schulpflicht, die ebenfalls verfassungsrechtlich verankert ist. Auch das Gestatten einer Teilnahme an einer Demonstration durch die Erziehungsberechtigten entbindet unsere Schüler_innen nicht von der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten. Das bedeutet, dass Schüler_innen, die während der Unterrichtszeit demonstrieren, ihre Schulpflicht wissentlich verletzen.

Ausdrücklich müssen wir darauf hinweisen, dass die Demonstrationen keine schulischen Veranstaltungen sind und Ihr Kind bei erlittenen Sachschäden oder gar Verletzungen weder durch die Schule noch durch das Land Sachsen-Anhalt versichert ist.

Aus Sicht der Schulleitung des Domgymnasiums lassen sich das staatsbürgerliche Recht (Demonstrationsrecht) und die staatsbürgerliche Pflicht (allgemeine Schulpflicht) unproblematisch in Einklang bringen, wenn eine Teilnahme unserer Schüler_innen an Demonstrationen nach dem Unterricht erfolgt. Die Wichtigkeit der Themen der „Fridays-for-Future“-Bewegung dürfte durchaus Anlass dazu geben, darüber nachzudenken, ob man nicht auch bereit ist, private Freizeit für die Demonstrationen aufzuopfern.

Wir werden, um den Schulbetrieb geordnet weiterführen zu können, zukünftig, solange die „Fridays-for-Future“-Bewegung stattfindet, Leistungskontrollen, notenrelevante Tätigkeiten (Experimente etc.), Klassenarbeiten und Klausuren, die freitags anstehen, jeweils vorab mit Eintrag ins Klassenbuch oder Kursheft bekanntgeben, damit unsere Schüler_innen keine Leistungserhebungen aus Unkenntnis verpassen oder bei entsprechend unentschuldigtem Fehlen die Fehlleistungen gegebenenfalls unproblematisch geahndet werden können.

Andererseits müssen wir alle uns auch unserer Verantwortung für die berechtigten Forderungen der nachwachsenden Generationen stellen. Deshalb werden wir die aktuellen Forderungen der Demonstrierenden stärker unterrichtsimmanent diskutieren, die Sorgen und Ängste unserer Jugendlichen aufgreifen und mit unseren Schüler_innen gemeinsam intensiver Lösungsansätze und -wege im Unterricht thematisieren.

Dr. Dirk Heinecke, Schulleiter  21.03.2019